Offenbarung gepa?t. Es pa?t weiterhin nicht dazu.«
»Aber das ist
»Das ist alles«, bestatigte Ainslie seufzend.
»Nun, wenn Sie zuruckkommen, sollten Sie sich mit den ersten Morden befassen, die Doil gestanden hat. Wie haben die Leute gleich wieder gehei?en?«
»Ikei - aus Tampa.«
»Yeah, und die Esperanzas sind auch einen weiteren Blick wert. Aber das darf nicht lange dauern, denn wir haben schon wieder zwei neue Morde aufzuklaren. Aus meiner Sicht ist der Mordfall Ernst abgeschlossen.«
»Was ist mit der Kassette mit Doils Aussage? Soll ich sie Ihnen aus Toronto schicken?«
»Nein, bringen Sie sie selbst mit. Wir lassen Kopien und eine Abschrift anfertigen und entscheiden dann, was damit geschehen soll. Und jetzt wunsche ich Ihnen eine schone Reise mit ihrer Familie, Malcolm. Die haben Sie sich ehrlich verdient.«
Ainslie hatte reichlich Zeit, um bei Delta Airlines fur seinen Flug nach Atlanta zum Weiterflug nach Toronto einzuchecken. Da die Maschine nicht voll besetzt war, hatte er in der Economy-Klasse drei Sitze fur sich allein, lehnte sich entspannt zuruck und geno? den Luxus, ungestort zu sein.
Wahrend er versuchte, ein Nickerchen zu machen, beschaftigten seine Gedanken sich weiter mit Jorges Frage:
Angefangen hatte alles wahrend seines siebenjahrigen Studiums im St. Vladimir Seminary. Pater Irwin Pandolfo, ein Jesuit und einer seiner Professoren, hatte den zweiundzwanzigj ahrigen Malcolm gebeten, ihm bei den Recherchen fur sein Buch uber die gro?en Weltreligionen zu helfen. Malcolm hatte bereitwillig zugesagt und zwei Jahre lang jede freie Minute fur das Buchprojekt geopfert. Als
Malcolm war so uberwaltigt, da? ihm ausnahmsweise die Worte fehlten.
Das Buch brachte beiden Verfassern viel Lob ein. Aber es bewirkte auch, da? Malcolm, der jetzt eine Autoritat in bezug auf die Ursprunge aller Religionen war, gewisse Aspekte der einen Religion, der er sein Leben widmen wollte, in Frage zu stellen begann.
Ainslie erinnerte sich an eine Gelegenheit - an ein Gesprach mit Russell Sheldon gegen Ende ihrer Seminarausbildung. Malcolm hatte von einem Skriptum aufgesehen und gefragt: »Wer hat einmal geschrieben: >Ein wenig Gelehrsamkeit ist eine gefahrliche Sache<?«
»Papst Alexander.«
»Er hatte auch schreiben konnen:
Russell brauchte nicht zu fragen, was Malcolm meinte. Im Rahmen ihres Theologiestudiums hatten sie sich auch mit der Geschichte des Alten und des Neuen Testaments beschaftigt. In neuerer Zeit - vor allem seit den drei?iger Jahren - hatten Historiker und Theologen neue Erkenntnisse uber die Bibel gewonnen.
»Die Bibel ist keine >Heilige Schrift< oder das >Wort Gottes<, wie religiose Eiferer behaupten. Wer das glaubt, versteht einfach nicht - oder will es einfach nicht wissen -, wie die Bibel entstanden ist.«
»Vermindert das etwa deinen Glauben?«
»Nein, weil wahrer Glaube nicht auf der Bibel basiert. Er beruht auf unserem Instinkt, da? alles um uns herum nicht zufallig, sondern durch einen Akt Gottes entstanden ist -allerdings nicht unbedingt des in unserer Bibel geschilderten Gottes.«
Die beiden diskutierten uber eine weitere allen Theologen bekannte Tatsache - da? die ersten bekannten Aufzeichnungen uber Jesus funfzig Jahre nach seinem Tod entstanden waren: im ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher, dem altesten Buch des Neuen Testaments. Selbst die vier Evangelien - das des Markus war das alteste - waren erst in den Jahren siebzig bis hundertzehn nach Christus niedergeschrieben worden.
»Wir wissen das«, stellte Malcolm fest, »aber Laien werden diese Tatsachen uber die Bibel von den Kirchen noch immer vorenthalten. Naturlich steht au?er Frage, da? Jesus gelebt hat und gekreuzigt worden ist; das gehort zur romischen Geschichte. Aber alle Geschichten uber ihn - die jungfrauliche Geburt, der Stern von Bethlehem, die Hirten und der Engel des Herrn, die Weisen aus dem Morgenland, die Wunder, das letzte Abendmahl und sogar die Auferstehung - sind nur Legenden, die funfzig Jahre lang mundlich uberliefert worden sind. Was ihre Genauigkeit betrifft...«
Malcolm machte eine Pause. »Uberleg mal: Wie lange ist's her, da? Prasident Kennedy in Dallas ermordet worden ist?«
»Fast zwanzig Jahre.«
»Und die ganze Welt ist Zeuge gewesen - Fernsehen, Radio, Presse, das Zapruder-Tonband, unzahlige Wiederholungen, dann die Warren-Kommission.«
Russell nickte. »Aber trotzdem herrscht Uneinigkeit daruber, wie's passiert ist und wer's getan hat.«
»Genau! Stell dir neutestamentarische Zeiten
»Du glaubst diese Geschichten uber Jesus also nicht?«
»Ich habe meine Zweifel daran, aber das spielt keine Rolle. Jesus hat - ob durch Legenden oder Tatsachen - die Weltgeschichte mehr als jeder andere beeinflu?t und die reinste, weiseste Lehre aller Zeiten hinterlassen.«
»Aber ist er Gottes Sohn gewesen?« fragte Russell weiter. »Ist er gottlich gewesen?«
»Ich bin bereit, daran zu glauben. Ja, daran glaube ich noch immer.«
»Ich auch.«
Aber glaubten sie das wirklich? Schon damals hegte zumindest Malcolm leichte Zweifel.
Kurze Zeit spater stand Malcolm bei einer Diskussion uber Grundsatze der katholischen Lehre anla?lich einer Visite des Erzbischofs auf und wollte wissen: »Wie kommt es, Euer Eminenz, da? unsere Kirche ihre Gemeindemitglieder niemals uber neue Erkenntnisse der Bibelforschung und das neue Licht aufklart, das sie auf Leben und Zeit Jesu werfen?«
»Weil das den Glauben vieler Katholiken untergraben konnte«, antwortete der Erzbischof rasch. »Theologische Debatten sollten wir Menschen mit den notigen intellektuellen Voraussetzungen uberlassen.«
»Sie halten also nichts von Johannes 8, 32?« fragte Malcolm ihn. »>Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.<«
Der Erzbischof antwortete leicht gereizt: »Mir war's lieber, junge Priester wurden sich auf Romer 5,19 konzentrieren: >So werden durch
»Oder vielleicht auf Epheser 6, 5, Euer Eminenz«, antwortete Malcolm schlagfertig. »>Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren.<«
Schallendes Gelachter erfullte die Aula. Sogar der Erzbischof lachelte.
Nach ihrer Seminarausbildung gingen Malcolm und Russell als Vikare ihre eigenen Wege - auch in bezug auf ihre Ansichten uber Religion und Alltagsprobleme, die sich im Lauf der Zeit wandelten.
In der St. Augustus Church in Pottstown war Malcolm der Vertreter von Pater Andre Quale, der siebenundsechzig Jahre alt war, an einem Lungenemphysem litt, das Pfarrhaus nur selten verlie? und seine Mahlzeiten oft allein einnahm.
»Also schmei?t eigentlich du den Laden«, stellte Russell einmal fest, als er bei seinem Freund zum Abendessen eingeladen war.
»Ich genie?e weniger Freiheiten als du glaubst«, antwortete Malcolm. »Der alte Eisenarsch hat mir schon zwei Verweise erteilt.«
»Unser Herr und Meister, Bischof Sanford?«
Malcolm nickte. »Einige Leute aus der hiesigen alten Garde haben sich uber zwei meiner Predigten beschwert. Sanford ist stinksauer gewesen.«
