Tisch kommt.«

Daraufhin herrschte sekundenlang Schweigen, bevor Davanal sagte: »Byron hat zweihundertfunfzigtausend Dollar pro Jahr bekommen. Au?erdem hat er hier umsonst gelebt, und seine Fitnessgerate, in die er so vernarrt gewesen ist, sind auch bezahlt worden.«

Eine Viertelmillion Dollar, dachte Ainslie, und das furs Nichtstun. Da die Familie Davanal nun nichts mehr zahlen mu?te, wurde sie von Byron Maddox-Davanals Tod profitieren.

»Wenn Sie denken, was ich annehme«, sagte Mrs. Maddox-Davanal, »vergessen Sie's!« Als er keine Antwort gab, fuhr sie fort: »Horen Sie, ich will weder Zeit noch Worte vergeuden - fur unsere Familie sind solche Betrage Peanuts.« Sie machte eine Pause. »Der entscheidende Punkt ist, da? ich Byron gern um mich gehabt habe, obwohl ich ihn nicht mehr liebte - schon lange nicht mehr. Man konnte sogar sagen, da? er mir fehlen wird.«

Die letzte Feststellung klang nachdenklich, fast vertraulich. Irgendwie hatte sich ihre anfangliche Feindseligkeit im Lauf des Gesprachs verfluchtigt; man konnte fast glauben, dachte Ainslie, sie habe sich nach dem verlorenen Showdown ergeben und sei eine freundliche Verbundete geworden. Trotzdem nahm er nicht alles fur bare Munze, was Felicia Maddox-Davanal ihm erzahlt hatte vor allem nicht das, was sich auf die Entdeckung ihres toten Ehemanns bezog. Zugleich sagte sein Instinkt ihm, da? sie ihren Mann nicht ermordet hatte, aber vielleicht wu?te oder ahnte, wer der Tater gewesen war. Jedenfalls verbarg sie irgend etwas.

»Eines verstehe ich nicht ganz«, sagte Ainslie. »Sie haben Ihren Mann angeblich noch immer gemocht, obwohl Sie und er getrennte Wege gegangen sind. Aber gleich nachdem Sie ihn tot aufgefunden hatten, ist Ihre Hauptsorge die gewesen, Ihr Fernsehteam ins Haus zu holen. Das erscheint mir... «

»Schon gut! Schon gut!« unterbrach Davanal ihn. »Ich wei?, was Sie andeuten wollen - da? ich eiskalt bin. Nun, das bin ich vielleicht auch, aber vor allem bin ich praktisch veranlagt.« Sie sprach nicht weiter.

»Bitte weiter«, sagte Ainslie.

»Nun, ich habe sofort gesehen, da? Byron tot war, und keine Ahnung gehabt, wer ihn erschossen hatte. An diesen Tatsachen konnte ich nichts andern. Aber ich konnte dafur sorgen, da? WBEQ - meine Fernsehstation, die ich personlich leite - diese Meldung vor der gesamten Konkurrenz bringt, und genau das habe ich getan. Ich habe eines meiner Teams angefordert; als es nicht hereindurfte, habe ich mich ans Telefon gesetzt und unserer Nachrichtenredaktion alles erzahlt, was ich wu?te. Inzwischen ist diese Meldung in ganz Florida, vermutlich schon viel weiter verbreitet, aber wir sind die ersten gewesen, und das zahlt auf einem so hei?umkampften Markt.«

»Bei Ihrer Erfahrung«, sagte Ainslie, »haben Sie doch gewu?t, da? das Fernsehteam nicht durchgelassen werden wurde, nicht wahr?«

Davanal verzog das Gesicht. »Oh, klar. Aber ich habe... Ich wollte einfach testen, was moglich ist. Das habe ich mein Leben lang getan. Es ist mir zur zweiten Natur geworden.«

»Unter normalen Umstanden ist dagegen nichts einzuwenden. Aber bei Mordermittlungen ist das keine gute Idee.«

Felicia betrachtete ihn nachdenklich. »Sie sind ein ungewohnlicher Polizeibeamter«, sagte sie dann. »Sie haben etwas an sich - ich wei? nur nicht, was -, das ganz anders ist... und mich neugierig macht.« Bei diesen Worten lachelte sie zum erstenmal ein geheimnisvolles kleines Lacheln, in dem eine Andeutung von Sinnlichkeit lag.

»Wenn Sie nichts dagegen haben«, antwortete er nuchtern, »mochte ich Ihnen noch ein paar Fragen stellen.«

Sie seufzte. »Also gut, wenn Sie mussen.«

»Wer ist heute morgen um halb acht, als Sie die Leiche Ihres Mannes aufgefunden haben, und letzte Nacht au?er Ihnen im Haus gewesen?«

»Lassen Sie mich nachdenken.« Als sie diese und die nachfolgenden Fragen beantwortete, stellten sich weitere Tatsachen heraus.

Felicias Eltern, Theodore und Eugenia Davanal, die ebenfalls in diesem Haus lebten, waren im Augenblick in Italien. Theodore war das Oberhaupt des Familienclans, aber er hatte langst einen gro?en Teil seiner Verantwortung an Felicia abgegeben. Sein Kammerdiener und die Zofe seiner Frau, die ebenfalls im Haus wohnten, waren nach Italien mitgereist.

Der Patriarch der Familie war Wilhelm Davanal. Der Siebenundneunzigj ahrige hatte hier im Haus eine Dachgescho?wohnung, in der ein Diener und seine Frau, die von Beruf Krankenschwester war, ihn umsorgten. »Gro?vater und das Ehepaar Vazquez sind standig im Haus«, erlauterte Felicia, »aber wir bekommen die drei fast nie zu sehen.«

Nach Felicias Darstellung war Wilhelm Davanal senil, obwohl er lichte Augenblicke hatte, die jedoch zunehmend seltener wurden.

Humphrey Holdsworth, der Butler, wohnte mit seiner Frau, die Kochin war, ebenfalls im Haus. Die beiden Gartner und der Chauffeur lebten mit ihren Familien au?erhalb des Hauses in Apartments uber der Garage.

Alle diese Leute, daruber war Ainslie sich im klaren, mu?ten befragt werden, ob sie letzte Nacht irgend etwas Verdachtiges gesehen oder gehort hatten.

»Sprechen wir noch einmal uber die Entdeckung der Leiche Ihres Mannes«, sagte er zu Felicia. »Als die Polizei - Officer Navarro - gekommen ist, sind Sie in seinem Arbeitszimmer gewesen, nicht wahr?«

»Ja.« Sie zogerte. »Nun, nachdem ich Byron so aufgefunden hatte, bin ich hinausgelaufen und habe am Telefon in der Eingangshalle die Notrufnummer gewahlt. Dann... ich wei? selbst keine rechte Erklarung dafur... hat mich irgend etwas dorthin zuruckgezogen. Ich mu? wohl eine Art Schock erlitten haben. Alles ist so plotzlich gekommen... und so schrecklich gewesen.«

»Das ist verstandlich«, sagte Ainslie mitfuhlend. »Beantworten Sie mir bitte folgende Frage: Haben Sie irgend etwas angefa?t, verandert oder bewegt, wahrend Sie zweimal mit der Leiche Ihres Mannes allein gewesen sind?«

»Nein, nicht das geringste.« Felicia schuttelte den Kopf. »Mein Instinkt mu? mir gesagt haben, da? ich das nicht darf. Au?erdem habe ich mich einfach nicht dazu uberwinden konnen, dicht an Byron oder den Schreibtisch heranzutreten... « Ihre Stimme wurde leiser und verstummte.

»Danke«, sagte Ainslie. »Im Augenblick habe ich keine weiteren Fragen.«

Felicia Maddox-Davanal stand auf, als ihre Befragung beendet war; sie hatte ihre Selbstbeherrschung offenbar wiedergewonnen.

»Ich bedaure, da? wir einen so schlechten Start gehabt haben«, sagte sie. »Aber vielleicht konnen wir im Lauf der Zeit lernen, einander mehr zu mogen.« Sie streckte unerwartet eine Hand aus, beruhrte leicht Ainslies Rechte und lie? ihre Finger sekundenlang auf ihr ruhen. Dann wandte sie sich ab und war im nachsten Augenblick verschwunden.

Malcolm Ainslie, der allein im Salon zuruckgeblieben war, benutzte sein Kombigerat, um zwei Telefongesprache zu fuhren. Danach ging er in Byron Maddox-Davanals Arbeitszimmer zuruck, in dem jetzt reger Betrieb herrschte. Die Spurensicherung war eingetroffen und bei der Arbeit, wahrend die Gerichtsmedizinerin Sandra Sanchez den Toten untersuchte.

Staatsanwalt Curzon Knowles, mit dem Ainslie im Fall Elroy Doil zusammengearbeitet hatte, beobachtete alles, stellte Fragen und machte sich Notizen.

Ainslie sah, da? es drau?en zu regnen begonnen hatte, aber Rodriguez versicherte ihm: »Wir haben die Spuren rechtzeitig fotografiert und auch gute Gipsabdrucke gemacht.« Jetzt wurden die Schuhspuren hinter dem Samtvorhang fotografiert; danach wurde der Schmutz abgekratzt und zu Vergleichszwecken sichergestellt werden. Gleichzeitig ging die Suche nach Fingerabdrucken weiter.

Ainslie nahm Jorge beiseite, schilderte ihm sein Gesprach mit Felicia Maddox-Davanal und diktierte ihm die Namen aller Haushaltsangehorigen, die befragt werden mu?ten. »Ich habe Pop Garcia herbestellt«, erklarte er Jorge. »Er arbeitet mit Ihnen zusammen, fuhrt Befragungen durch und ist Ihnen ganz allgemein behilflich. Ich mu? jetzt weg.«

»Schon?« fragte Jorge erstaunt.

»Ich mochte mit jemandem sprechen«, sagte Ainslie. »Mit jemandem, der viel uber alte Familien wei? - auch uber diese. Vielleicht ergibt sich dabei ein Hinweis.«

8

Ihr Name war legendar. Zu ihrer Zeit hatte sie als beste Kriminalreporterin Amerikas gegolten, deren Ruf weit uber ihre Leserschaft in Florida hinausreichte, fur die sie aus Miami berichtete. Was Menschen und Ereignisse

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