Holdsworth war sichtlich erregt. »Ich will sofort wissen, was mit diesen Fingerabdrucken ist!«

»Soll das hei?en, da? Sie reden wollen, ohne auf einen Anwalt zu warten?« erkundigte Rodriguez sich.

»Ja, ja!«

»Dann durfen Sie den Vordruck nicht unterschreiben. Hier ist ein anderer, der besagt, da? Sie uber Ihre Rechte belehrt worden sind und sich dafur entschieden haben...«

»Her damit!« Holdsworth griff nach dem bereitgelegten Kugelschreiber und kritzelte seine Unterschrift hin. Danach wandte er sich an Ainslie. »Was ist mit den Fingerabdrucken?«

»Das sind Ihre, die man vor sechsunddrei?ig Jahren abgenommen hat«, erklarte Ainslie ihm ruhig. »Wir haben Sie uns aus England beschafft, und sie sind mit Fingerabdrucken identisch, die wir auf einer Schreibtischuhr am Tatort entdeckt haben. An dieser Uhr haben wir auch Blut des Ermordeten gefunden.«

Nun herrschte sekundenlang Schweigen, bis Holdsworth bedruckt sagte: »Ja, ich erinnere mich, da? ic h die verdammte Uhr aufgehoben und auf den Schreibtisch zuruckgestellt habe. Das war unuberlegt.«

»Warum haben Sie Byron Maddox-Davanal ermordet, Mr. Holdsworth?« fragte Ainslie.

Das Gesicht des Butlers spiegelte einen inneren Kampf wider. »Ich habe ihn nicht ermordet!« stie? er hervor. »Das ist kein Mord gewesen! Es war Selbstmord - der Dummkopf hat sich selbst erschossen!«

Damit war der Damm gebrochen. Holdsworth verbarg sein Gesicht in den Handen, wiegte den Kopf hin und her und sprach stockend weiter. »Ich habe Mrs. Davanal gesagt, da? das nicht funktionieren wurde - weil die Polizei clever ist und alles herausbekommt. Aber sie hat nicht auf mich gehort, sie hat's besser gewu?t, sie hat wieder mal alles gewu?t! Aber sie hat sich getauscht. Und jetzt das!« Als Holdsworth die Hande vom Gesicht nahm, hatte er Tranen in den Augen.

»Diese alte Sache in England«, murmelte er. »Der Grund fur die Fingerabdrucke. Ich habe sie abgegeben, als... «

»Das wissen wir«, unterbrach Rodriguez ihn. »Eine Bagatelle, die langst verjahrt ist.«

»Ich bin seit funfzehn Jahren hier.« Holdsworth schluchzte jetzt. »Ich habe nie Schwierigkeiten mit der Polizei gehabt, aber plotzlich stehe ich unter Mordverdacht... «

»Stimmt alles, was Sie bisher ausgesagt haben, wird dieser Mordverdacht fallengelassen«, sagte Ainslie. »Aber Sie haben sich trotzdem strafbar gemacht, und wir verlangen von Ihnen ruckhaltlose Offenheit - Antworten auf alle unsere Fragen, keine Ausfluchte mehr.«

»Fragen Sie, was Sie wollen.« Holdsworth setzte sich auf und hob den Kopf. »Ich erzahle Ihnen alles.«

Der tatsachliche Ablauf war verbluffend einfach.

Vor vier Tagen waren Holdsworth und Felicia Maddox-Davanal kurz nach halb sechs Uhr morgens durch einen Knall geweckt worden. Sie trafen sich mit hastig ubergeworfenem Bademantel und Morgenrock im Erdgescho? und betraten Byrons Arbeitszimmer, in dem sie ihn erschossen auffanden. In seiner rechten Hand hielt der Tote einen Revolver.

»Mir ist nur ubel gewesen; ich habe nicht gewu?t, was ich tun sollte«, erklarte Holdsworth den Kriminalbeamten. »Aber Mrs. Davanal war die Ruhe selbst. Sie ist schon immer stark gewesen. Sie hat angefangen, mir Anweisungen zu geben, weil wir beide geglaubt haben, als einzige Hausbewohner wach zu sein.«

Nach Aussage des Butlers hatte Mrs. Davanal ihm erklart: »Niemand darf erfahren, da? mein Mann Selbstmord begangen hat.« Sie hatte hinzugefugt, fur die Familie ware das eine schreckliche Schande, und Mr. Theodore wurde ihr nie verzeihen, wenn diese Tatsache offentlich bekannt wurde -deshalb mu?ten sie einen Mord vortauschen.

»Ich habe versucht, ihr das auszureden«, berichtete Holdsworth. »Ich habe sie gewarnt, da? die Polizei clever ist und alles herausbekommt, aber sie hat nicht horen wollen. Sie hat gesagt, sie sei oft mit Fernsehreportern an Tatorten gewesen und wisse genau, was zu tun sei, damit alles nach einem Mord aussehe. Au?erdem hat sie an meine Loyalitat appelliert und mir erklart, ich sei den Davanals einiges schuldig. Das stimmt naturlich, aber mir war's lieber, ich hatte...«

»Bleiben wir bei den Tatsachen«, unterbrach Ainslie ihn. »Was ist mit der Waffe passiert?«

»Mrs. Davanal hat sie Mr. Byron aus der Hand genommen. Der Revolver ist eine der Waffen aus seinem Schrank gewesen.«

Ainslie erinnerte sich an Felicias Antwort auf seine Frage, ob sie im Arbeitszimmer ihres Mannes irgend etwas angefa?t, verandert oder bewegt habe: Ich habe mich einfach nicht dazu uberwinden konnen, dicht an Byron oder den Schreibtisch heranzutreten.

»Wo ist der Revolver jetzt?«

Holdsworth zogerte. »Das wei? ich nicht.«

Rodriguez sah von seinen Notizen auf. »Doch, das wissen Sie! Oder Sie haben eine ziemlich gute Vorstellung davon.«

»Mrs. Davanal hat mich gefragt, wie sie die Waffe spurlos beseitigen konne. Ich habe ihr geraten, sie in einen Gully zu werfen. Der nachste ist praktisch vor unserem Haus.«

»Und hat sie das getan?«

»Das wei? ich nicht. Ich hab's lieber nicht wissen wollen. Ehrenwort!«

Rodriguez fragte weiter: »Und die falschen Spuren au?erhalb des Hauses - die Fu?abdrucke, die aufgebrochene Terrassentur? Wer ist das gewesen?«

»Das bin leider ich gewesen«, gab Holdsworth zu. »Ich habe die Tur mit einem gro?en Schraubenzieher aufgebrochen und die Spuren mit meinen Sportschuhen hinterlassen.«

»Ist das Mrs. Davanals Idee gewesen?«

Holdsworth nickte verlegen. »Nein, meine.«

»Wo sind der Schraubenzieher und die Schuhe jetzt?«

»Bevor die Polizei gekommen ist, bin ich an diesem Morgen die Stra?e entlang zu einer Baustelle gegangen und habe beides in einen Container geworfen. Er ist am Tag darauf abtransportiert worden; das habe ich gesehen.«

»Ist das alles?« fragte Ainslie.

»Ich glaube ja... Oh, da fallt mir noch etwas ein. Mrs. Davanal hat ein Handtuch, Seife und warmes Wasser geholt und Mr. Byrons Hand abgewaschen - die rechte Hand, in der er die Waffe gehalten hat. Damit keine Pulverspuren zuruckbleiben, hat sie mir erklart. Auch das hat sie von den Fernsehleuten gelernt.«

»Haben Sie aus dieser Geschichte etwas gelernt?« fragte Rodriguez.

Holdsworth lachelte zum erstenmal. »Da? die Polizei tatsachlich clever ist.«

Ainslie unterdruckte ein Lacheln. »Nehmen Sie diese Sache nicht auf die leichte Schulter; Sie mussen sich trotzdem fur einiges verantworten. Sie haben unsere Ermittlungen durch Lugen behindert, Sie haben mitgeholfen, Beweismaterial zu beseitigen, und falsche Spuren gelegt. Deshalb behalten wir Sie vorlaufig hier.«

Kurze Zeit spater wurde Holdsworth von einem uniformierten Beamten in Untersuchungshaft abgefuhrt.

Als sie wieder allein waren, fragte Jorge Ainslie: »Okay, wie geht's weiter?« »Wir statten Felicia Davanal einen kleinen Besuch ab.«

10

Felicia Davanal war nicht zu Hause. Es war 7.50 Uhr. Niemand wu?te, wohin sie verschwunden war.

Karina Vazquez, die mit den beiden Kriminalbeamten in der Eingangshalle stand, erklarte ihnen: »Ich wei? nur, da? Ms. Davanal das Haus sichtlich erregt und in gro?ter Eile verlassen hat. Dann habe ich ihr Auto mit quietschenden Reifen wegfahren gehort.« In Abwesenheit des Butlers schien Wilhelm Davanals Pflegerin die Verantwortung fur das gesamte Haus ubernommen zu haben. Sie fugte hinzu: »Vielleicht hangt das irgendwie mit Mr. Holdsworth zusammen.« Mrs. Vazquez sah von einem Kriminalbeamten zum anderen. »Sie haben ihn abgefuhrt, nicht wahr? Ihn verhaftet? Seine Frau ist au?er sich. Sie telefoniert die ganze Zeit, um einen Anwalt zu bekommen.«

»In den letzten Tagen ist alles mogliche passiert«, sagte Ainslie zuruckhaltend. »Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat's hier Tauschungsversuche und Falschaussagen gegeben.«

»Das ist mir inzwischen auch klar«, gab Vazquez zu. Plotzlich fiel ihr etwas ein. »Vielleicht ist Mrs. Davanal weggefahren, um Sie aufzusuchen.«

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