»Der angesammelte Betrag mu?te auch fur Dana reichen. Sie bestehen auf dieser Summe, und wenn Haversham - in Wirklichkeit die Familie Davanal - nicht einwilligen oder Sie herunterhandeln will, erklaren Sie den Plan mit der Samenbank fur gescheitert und drohen mit einer Feststellungsklage gegen die Davanals.«
»Ja, so konnte's gehen«, sagte Lisa. Aber dann meinte sie zweifelnd: »Diese Forderung liegt naturlich weit uber dem ursprunglichen Angebot.«
»Versuchen Sie's«, riet Ainslie ihr. »Ubrigens konnen Sie Mrs. Davanal mitteilen lassen, da? dieser Vergleichsvorschlag von mir stammt. Das konnte nutzen.«
Lisa starrte ihn forschend an; dann nickte sie jedoch nur und sagte: »Danke, Malcolm.«
Achtundvierzig Stunden spater war Ainslie zu Hause, als Lisa Kane anrief. Ihre Stimme klang atemlos. »Ich kann's kaum fassen! Ich bin bei Serafine, und wir haben eben von Haversham gehort. Die Anwalte akzeptieren alles - ohne Anderungswunsche, ohne Diskussion, einfach so, wie ich... nein, wie Sie es vorgeschlagen haben.«
»Das liegt bestimmt an Ihrer Verhandlungstaktik und...«
Lisa horte gar nicht zu. »Serafine la?t Ihnen ausrichten, da? Sie wunderbar sind. Das finde ich auch!«
»Wissen Sie zufallig, ob Mrs. Davanal...«
»Mike Jaffrus von Haversham hat wegen Ihres Vorschlags mit ihr telefoniert, und sie hat ihn angewiesen, Ihnen etwas auszurichten. Sie will Sie sehen, Malcolm. Sie mochten sie anrufen, um einen Termin zu vereinbaren.« Lisas Tonfall veranderte sich. »Geht zwischen euch beiden irgend etwas vor?« fragte sie unverhohlen neugierig.
Ainslie lachte. »Au?er einem kleinen Katz-und-Maus-Spiel nichts.«
»Eines habe ich aus dieser Geschichte gelernt«, sagte Felicia Davanal. »Es ist ungeschickt, allzu offen mit einem gerissenen Kriminalbeamten zu reden - vor allem mit einem, der ein ehemaliger Priester ist. Das kann echt teuer werden.«
Sie sa? mit Malcolm Ainslie in dem Salon, in dem sie ihr erstes Gesprach gefuhrt hatten. Aber diesmal gab es fur ihn einen bequemen Sessel wie den, in dem Felicia ihm mit geringem Abstand gegenubersa?. Sie wirkte unverandert attraktiv, aber weniger angespannt, weil Byrons Tod kein Geheimnis mehr war, das unbeantwortete Fragen zwischen ihnen aufwarf.
»Sie scheinen einige Nachforschungen angestellt zu haben«, sagte Ainslie.
»Bei meinem Sender gibt's Leute, die sich auf Recherchen verstehen.«
»Nun, hoffentlich haben sie auch recherchiert, da? Sie genugend Peanuts fur den angestrebten Vergleich haben.«
Sie machte eine kurze Pause. »Der Bericht uber Sie ist sehr lobend ausgefallen. Ich frage mich allerdings...«
»Was denn, Mrs. Davanal?«
»Felicia - bitte!«
Er nickte zustimmend. Sein Instinkt sagte ihm, worauf dieses Gesprach hinauslaufen wurde, aber er wu?te nicht recht, wie er sich verhalten sollte.
»Ich frage mich, warum Sie weiter Polizeibeamter sind, obwohl Sie Ihrer Qualifikation nach viel mehr sein konnten.«
»Mir gefallt's, ein Cop zu sein.« Nach kurzem Zogern fugte er hinzu: »Felicia.«
»Das ist absurd! Sie sind ein gebildeter Mann, Sie haben sogar promoviert. Sie haben ein Buch uber die Religionen der Welt geschrieben, das noch heute als Standardwerk...«
»Ich bin nur Mitverfasser, und das liegt schon lange zuruck.«
Felicia machte eine wegwerfende Handbewegung. »Das alles weist Sie als
Ainslie war verblufft. »In welcher Funktion?«
»Oh, das wei? ich nicht genau; ich habe noch mit niemandem daruber gesprochen. Aber wir haben immer Bedarf an guten Leuten, und wenn Sie sich dafur entscheiden wurden, zu uns zu kommen, lie?e sich schnell etwas finden, das Ihren Fahigkeiten entsprache.« Felicia lachelte dabei, beugte sich nach vorn und legte ihre Fingerspitzen auf Ainslies Hande. Ihre leichte Beruhrung enthielt ein subtiles Versprechen. »Ich bin sicher, da? wir uns dann auch naher kennenlernen wurden« Sie befeuchtete ihre Lippen mit der Zungenspitze. »Falls Sie daran interessiert waren.«
Ja, das wurde mich interessieren; das ware nur menschlich, dachte Ainslie. Angesichts dieser Verlockung spurte er eine geistige und korperliche Erregung. Aber dann dachte er wieder praktisch. Er erinnerte sich an Beth Embrys Warnung:
Trotzdem ware es aufregend gewesen, von Felicia verschlungen zu werden, in ihrem Honig zu ertrinken - vielleicht sogar alle moglichen Konsequenzen wert. Die einzige Affare seines Lebens bereute Ainslie bis heute nicht, obwohl er unter Cynthias Rachsucht schwer gelitten hatte. Wo Leidenschaft im Spiel war, mu?ten herkommliche Moralbegriffe oft zurucktreten; das wu?te er aus den vielen Beichten, die er Gemeindemitgliedern abgenommen hatte. Aber in seinem Fall, uberlegte er sich, genugte eine Romanze mit Cynthia. In einer Zeit, in der Karen ihr zweites Kind erwartete, durfte er nicht anfangen, nach Felicias Pfeife zu tanzen.
Er lie? seine Hand einen Augenblick auf der ihren ruhen. »Besten Dank, und ich werde meinen Entschlu? vielleicht bereuen. Aber ich mochte alles so lassen, wie's jetzt ist.«
Felicia hatte Stil. Sie stand auf, lachelte weiter und gab ihm zum Abschied die Hand. »Wer wei??« sagte sie. »Vielleicht kreuzen unsere Wege sich noch einmal.«
Auf der Ruckfahrt ins Polizeiprasidium uberlegte Ainslie sich, da? der Fall Davanal - abgesehen von den Postskripten - nur sieben Tage gedauert hatte. Er war ihm viel langer vorgekommen. Jetzt wartete er gespannt darauf, was Detective Bowe zu berichten hatte.
Ruby Bowe begann ihre Nachforschungen beim Metro-Dade Police Department, das sein imposantes Dienstgebaude in der Northwest 25th Street hatte. Sie fragte, ob der Ermittler, der vor siebzehn Jahren den Doppelmord an dem Ehepaar Esperanza bearbeitet hatte, noch im Dienst sei.
»Damals bin ich noch nicht hiergewesen«, sagte der Chef der Mordkommission. Der Lieutenant drehte sich nach einem Regal mit Registerbanden um. »Mal sehen, ob wir fundig werden.« Er blatterte in einem der Bande. »Ja, hier steht er. Esperanza, Clarence und Florentina, Fall weiter ungelost, Ermittlungen offiziell nicht eingestellt. Wollen Ihre Leute ihn fur uns losen, Detective?«
»Sieht so aus, als konnten wir's, Sir. Aber ich wurde lieber erst mit dem Ermittler sprechen.«
Der Lieutenant las weiter. »Das ist Archie Lewis gewesen... seit sechs Jahren pensioniert, lebt irgendwo in Georgia. Den Fall bearbeitet jetzt unsere Gruppe fur Altfalle. So eine haben Sie auch, nicht wahr?«
»Ja, Sir.«
Die Gruppe fur Altfalle bearbeitete ungeloste Schwerverbrechen, vor allem Morde, die mit Hilfe modernster Untersuchungstechniken wiederaufgerollt wurden.
Polizeibehorden mit solchen Ermittlergruppen waren bei der Aufklarung alter Verbrechen, die die Tater langst vergessen hofften, oft uberraschend erfolgreich.
»Wir lassen die Altfalle immer wieder von anderen Beamten der Gruppe bearbeiten«, sagte der Lieutenant. »Im Augenblick gehoren die Esperanzas Vic Crowley.«
Detective Crowley, der gleich heruberkam, war ein freundlicher Mann mit Stirnglatze. »Ich habe mir die alte Akte angesehen«, erklarte er Ruby, »ohne einen Ansatzpunkt fur weitere Ermittlungen zu finden. Tot wie die Esperanzas.«
»Das ist sie vielleicht noch immer.« Bowe berichtete, obwohl Elroy Doil diesen Mord vor seiner Hinrichtung gestanden habe, sei der Wahrheitsgehalt seines Gestandnisses zweifelhaft. »Ich wurde mir gern Ihre Ermittlungsakte daraufhin ansehen, ob sie einen Beweis fur seine Aussage enthalt.«
»Und dann? Wollen Sie den Kerl ausgraben und noch mal vor Gericht stellen? Okay, Sie haben bestimmt Ihre Grunde dafur. Kommen Sie, wir graben wenigstens die Akte aus.«
Crowley nahm Bowe in die Registratur mit, wo er nach langerer Suche die verbla?te, uberquellende Akte
