gesehen, was ich getan hatte. O Gott, ich habe beide erschossen!«
Cynthia war entsetzt. »Du hast
»Kilburn Holmes.« Er fugte niedergeschlagen hinzu: »Er ist Naomis Freund gewesen, hat dauernd mit ihr zusammengesteckt. Das haben mir andere Leute erzahlt.«
»Hat dich jemand gesehen?« fragte sie. »Gibt's Tatzeugen?«
Patrick schuttelte den Kopf. »Nein, mich hat niemand gesehen. Das wei? ich bestimmt. Es ist schon lange dunkel gewesen. Nicht mal die Schusse haben jemanden angelockt.«
»Hast du irgendwas -
»Garantiert nicht.«
»Hast du Gerausche gehort, als du abgehauen bist, oder Stimmen?«
»Nein.«
»Wo ist die Waffe?«
»Hier.« Er zog einen Revolver Smith & Wesson Kaliber 38 aus der Tasche.
»Leg ihn hier auf den Tisch«, befahl sie ihm.
Cynthia machte eine Pause, um die moglichen personlichen Risiken gegen den Einflu? abzuwagen, den sie durch diese Geschichte uber Patrick gewinnen konnte. Sie wu?te genau, was ihre Pflicht gewesen ware, aber sie sah ihn auch als nutzliches Werkzeug.
Sie fa?te einen Entschlu?, ging in ihre kleine Kuche hinaus und kam mit einer Kuchenzange, Klarsichtbeuteln und einer Rolle Klebstreifen zuruck. Als erstes steckte sie den Revolver mit Patricks Fingerabdrucken in einen Beutel und klebte ihn zu. Dann deutete sie auf sein T-Shirt. »Zieh das aus; es hat Blutflecken. Und deine Sportschuhe auch.«
Das T-Shirt und die Sportschuhe kamen in drei weitere Klarsichtbeutel, die ebenfalls zugeklebt wurden. »Jetzt gibst du mir deinen Hausschlussel und ziehst dich ganz aus.«
Als Patrick zogerte, fauchte Cynthia ihn an: »Los, mach
»In der Einfahrt vor Naomis Haus.« Er seufzte.
Mit dem Rucken zu Patrick, dem sie dadurch die Sicht versperrte, schaltete Cynthia das Tonbandgerat aus. Er war ohnehin zu benommen, um etwas mitbekommen zu haben.
Patrick hatte sich unterdessen ganz ausgezogen. Er stand mit hangenden Schultern da und starrte nervos zu Boden. Cynthia ging erneut in die Kuche hinaus und kam mit einem braunen Mullbeutel zuruck, in den sie die restlichen Kleidungsstucke stopfte.
»Ich fahre jetzt zu dir«, sagte sie. »Unterwegs werfe ich diese Sachen weg und hole dir neue Klamotten. Du duscht inzwischen
»Ich habe ihn vor zwei Monaten gekauft.« Er fugte niedergeschlagen hinzu: »Mein Name ist registriert.«
»Wird die Waffe nicht gefunden und gibt es sonst nichts, was dich belasten konnte, passiert dir nichts. Okay, du hast den Revolver eine Woche nach dem Kauf verloren. Merk dir das und bleib dabei.«
»Wird gemacht«, murmelte Patrick bestatigend.
Als Cynthia ging, nachdem sie sich rasch angezogen hatte, verschwand er in ihrem Bad.
Cynthia fuhr auf Umwegen zu Patricks Haus und entsorgte unterwegs seine Kleidung in verschiedenen Mulltonnen und einem Mullcontainer. In seinem Haus suchte sie rasch ein paar frische Kleidungsstucke fur ihn zusammen.
Als sie gegen halb sechs Uhr zuruckkam und leise die Wohnungstur aufschlo?, sah sie Patrick auf der Couch sitzen. Er beugte sich tief uber die Glasplatte des Couchtisches und hatte einen zu einem Rohrchen zusammengerollten Dollarschein in der Nase stecken.
»Wie kannst du's wagen, hier zu koksen?« kreischte sie.
Als er hochschreckte, waren auf dem Glas vier Linien Kokain zu sehen, die er noch nicht geschnupft hatte.
Patrick fuhr sich mit dem Handrucken uber die Nase. »Mein Gott, Cynthia, kein Grund zur Aufregung«, schniefte er. »Ich hab' blo? gedacht, das wurd' mir helfen, diese Sache durchzustehen.«
»Wirf dieses Zeug ins Klo - und deinen restlichen Vorrat auch.
Cynthia gestand sich im stillen ein, da? Patrick tatsachlich nicht suchtig war. Wie andere, die sie kannte, schnupfte er nur gelegentlich Kokain. Sie selbst hielt sich von Drogen und allen sonstigen Rauschmitteln fern, die ihre Selbstkontrolle hatten beeintrachtigen konnen.
Patrick kam aus dem Bad zuruck und jammerte uber die zweihundert Dollar, die er hatte hinunterspulen mussen. Cynthia achtete nicht weiter auf ihn, sondern machte sich daran, die Klarsichtbeutel mit dem Revolver, dem T-Shirt und den Sportschuhen zu beschriften, wobei sie darauf achtete, da? Patrick genau mitbekam, was sie tat. Als sie damit fertig war, legte sie alles in einen gro?en Pappkarton, in den spater auch die Tonbandkassette kommen wurde.
»Wozu machst du das alles?« fragte Patrick, der ruhelos im Zimmer auf und ab ging.
»Damit alles seine Ordnung hat.« Cynthia wu?te recht gut, da? ihre Antwort unbefriedigend war, aber das spielte keine Rolle. Patrick war jetzt high: hyperaktiv und sprunghaft. Er verfolgte das Thema wie erwartet nicht weiter, sondern fing an, ihr einen Vortrag daruber zu halten, wie er seine Notizen als Schriftsteller ahnlich methodisch ordnete.
Spater, nachdem Cynthia den Karton mit Belastungsmaterial sicher versteckt hatte, wurde sie Patricks Frage praziser beantworten - auf eine Art, die ihm weniger gefallen wurde.
Als Cynthia abends allein war, spielte sie erstmals das Tonband ab. Die Aufnahmequalitat war gut. Sie hatte einen zweiten Recorder und eine neue Kassette mitgebracht, um weitermachen zu konnen.
Als erstes bearbeitete sie das Originalband mit Patricks Schilderung des Doppelmords. Mit Hilfe einer Stoppuhr und ihrer Notizen loschte sie alles, was sie selbst gesagt hatte, indem sie die Aufnahmetaste druckte, ohne ein Mikrofon angeschlossen zu haben. Wie auf Prasident Nixons Watergate-Tonband entstanden so gro?e Lucken, aber das war nebensachlich, denn Patricks Gestandnis war unmi?verstandlich belastend, wie er merken wurde, wenn sie es ihm vorspielte. Zu diesem Zweck kopierte sie die redigierte Aufnahme, bevor sie das Original in den Karton mit dem ubrigen Beweismaterial legte.
Cynthia verschlo? den Karton sorgfaltig mit blauem Klebeband, das ihr Monogramm trug, und fuhr damit in die Villa ihrer Eltern in Bay Point. Dort hatte sie im ersten Stock noch immer ihr Zimmer, in dem sie gelegentlich ubernachtete und einige personliche Dinge aufbewahrte. Sie schlo? das Zimmer auf und stellte den Karton in ihren Kleiderschrank, wo er hinter anderen Schachteln nicht zu sehen war. Irgendwann wurde sie zuruckkommen und die Aufkleber mit ihrer Handschrift durch Computeretiketten ersetzen; bei dieser Gelegenheit wurde sie Latexhandschuhe tragen und die Klarsichtbeutel mit ihren Fingerabdrucken durch neue ohne Abdrucke ersetzen. Aber irgendwie fand sie nie die Zeit dazu, weil andere Dinge wichtiger waren.
Cynthia hatte von Anfang an nie vor, den Inhalt des Kartons irgend jemandem zu zeigen. Sie wollte nur, da? Patrick sah, wie sie das Beweismaterial sammelte und katalogisierte, um ihn damit fur immer in der Hand zu haben. Irgendwann wurde sie vermutlich das ganze Material in eine Stahlkassette packen und weit vor der Kuste im Atlantik versenken.
Nachdem Naomi Jensen und Kilburn Holmes erschossen aufgefunden worden waren, sah die Mordkommission der Miami Police in Patrick Jensen den Hauptverdachtigen und vernahm ihn eingehend. Zu Cynthias Erleichterung reichte die Beweislage nicht fur eine Verhaftung und Anklage aus. Gewi?, Jensen hatte Gelegenheit zur Tat gehabt und besa? kein Alibi; andererseits fehlte jegliches Belastungsmaterial. Au?erdem hatte Cynthia ihm eingescharft, bei Vernehmungen moglichst wenig zu sagen und keine freiwilligen Angaben zu machen. »Denk daran, da? du deine Unschuld nicht beweisen mu?t«, hatte sie unterstrichen. »Die Cops mussen dir deine Schuld nachweisen.«
Am Tatort fanden die Spurensicherer zwei kleinere Beweisstucke, mit denen jedoch wenig anzufangen war.
