»Zweihunderttausend?«

»Das ist der Betrag, von dem du gesprochen hast.«

»Und noch einmal die gleiche Summe fur mich.«

Cynthia zogerte, dann stimmte sie zu: »Also gut, aber erst danach.«

»Einve rstanden.«

Sie schien sich wieder beruhigt zu haben. »Ich habe eine Idee, was die Morde betrifft«, sagte sie etwas ruhiger.

»La? horen.«

»In letzter Zeit hat's zwei Doppelmorde gegeben, einen in Coconut Grove, den anderen in Fort Lauderdale; sie sind anscheinend von demselben Tater verubt worden und weisen bestimmte Eigentumlichkeiten auf. Die Mordkommission befurchtet, da? es weitere geben wird.«

»Was fur Eigentumlichkeiten?«

»In Coconut Grove - ich meine den Doppelmord im Hotel Royal Colonial - sind am Tatort tote Tiere zuruckgelassen worden.«

»Ich habe von den Morden im Royal Colonial gelesen - aber nichts von toten Tieren.«

»Davon haben Presse und Fernsehen nichts erfahren.«

»Und in Fort Lauderdale?«

»Daruber wei? ich nicht genau Bescheid, aber die Umstande mussen ahnlich gewesen sein.« Cynthia machte eine Pause. »Ich habe mir uberlegt, ob es zweckma?ig ware, bei der Ermordung meiner Eltern ahnlich vorzugehen... «

»Ja, ich verstehe«, sagte Jensen. »Das wurde den Verdacht in eine bestimmte Richtung lenken, als ob derselbe Tater erneut zugeschlagen hatte. Kannst du nahere Einzelheiten rauskriegen?«

Sie nickte.

»Gut. Dann treffen wir uns in zwei Wochen wieder.«

Wenig spater verlie?en sie das Restaurant, nachdem Cynthia die Rechnung bar bezahlt hatte.

Jensens Volvo war hinter Cynthias BMW-Roadster, als sie beide auf die I-95 abbogen, um in Richtung Suden nach Miami weiterzufahren. Cynthia fuhr schneller, und Jensen wartete, bis ihr Wagen au?er Sicht war, bevor er die nachste Ausfahrt nahm und auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums hielt.

Er blieb im Auto sitzen, griff unter seine Jacke, knopfte sein Hemd auf und zog darunter ein Diktiergerat hervor. Nachdem er die Kassette zuruckgespult hatte, stopselte er einen Ohrhorer ein und lie? die Aufnahme ablaufen. Obwohl sie vertraulich halblaut gesprochen hatten, war die Tonqualitat ausgezeichnet. Jedes Wort war klar verstandlich - auch Cynthias Reaktion auf seine Mitteilung, wer der Rollstuhlmorder gewesen war, und die anschlie?ende Vereinbarung, ihre Eltern von Virgilio ermorden zu lassen.

Patrick Jensen lachelte. Cynthia, sagte er sich, du bist nicht die einzige, die belastende Gesprache aufnehmen kann. Die heutige Aufnahme wurde er hoffentlich nie verwenden mussen, aber eines stand fest: Sollte irgend etwas schiefgehen, sollte er geschnappt und angeklagt werden, war er entschlossen, Cynthia Ernst mit ins Verderben zu rei?en.

4

»Erinnerst du dich an die beiden Doppelmorde, von denen ich letztes Mal gesprochen habe?« fragte Cynthia. »Den in Coconut Grove und... «

»Naturlich«, unterbrach Patrick sie gereizt. »Du wolltest dich naher uber sie informieren.«

»Nun, das habe ich getan.«

Dieses Treffen fand in der dritten Juniwoche statt - zwei Wochen nach ihrem gemeinsamen Mittagessen in Boca Raton. Sie hatten erneut zusammenkommen mussen, aber Cynthias Dienstplan lie? kein Treffen auf den Caymans oder Bahamas zu. Statt dessen hatte sie sich fur Homestead entschieden, eine Kleinstadt, die etwas mehr als funfzig Kilometer sudlich von Miami das Einfallstor zu den Everglades bildete. Sie fuhren getrennt hin und trafen sich dort im Restaurant Potlikkers.

Die Autofahrt hatte Jensen ermudet; sein Schlaf war letzte Nacht wieder so schlecht gewesen wie schon in den Nachten davor. Und er hatte Alptraume gehabt. Auch wenn er sich nur vage an Einzelheiten erinnern konnte, war er in Schwei? gebadet hochgeschreckt; in dem nebulosen Niemandsland zwischen Schlafen und Wachen erinnerte er sich wieder an einen Rollstuhl unter Wasser und glaubte jedesmal, Virgilios finstere Miene vor sich zu sehen.

Das Restaurant Potlikkers war rustikal eingerichtet. Cynthia und Patrick sa?en etwas abseits von den ubrigen Gasten auf einer Eckbank an einem Tisch mit gehobelter Kiefernholzplatte. Cynthia hatte einen Aktenkoffer dabei, der nun auf der Bank neben ihr stand. Sie musterte Patrick prufend. »Irgendwas nicht in Ordnung?«

»Um Himmels willen! Ist denn irgendwas in Ordnung?« Jensen hatte beinahe gelacht und uberlegte, ob er sagen sollte:

Nein, alles in bester Ordnung. Wir sitzen nur hier, um zwei Morde zu planen, fur die wir beide ein Motiv haben, falls dir das entgangen sein sollte, und die einige der besten Kriminalbeamten Miamis aufzuklaren versuchen werden... Womoglich gelingt ihnen das sogar. Wer wei?, vielleicht werden wir gemeinsam auf dem elektrischen Stuhl landen... Aber ansonsten ist alles in bester Ordnung.

»Nicht so laut!« ermahnte Cynthia ihn. »Und rei? dich gefalligst zusammen! Es gibt keinen Grund, beunruhigt zu sein, denn alles wird klappen - und das kann ich besser beurteilen als du. Hast du von deinem Mann gehort, uber den wir gesprochen haben? Aber keinen Namen nennen!«

Jensen nickte. »Vor drei Tagen.«

Der Anruf war funfzehn Tage nach dem Rollstuhlmord gekommen. Nichts deutete darauf hin, woher der Anruf kam; Patrick hatte nicht danach gefragt, vermutete aber, da? er aus Kolumbien kam.

»Sie wissen, wer ich bin, aber nicht sagen.« Das war eindeutig Virgilios Stimme.

»Ja, das wei? ich.«

»Ich komme bald. Sie wollen noch?«

»Ja.« Virgilio druckte sich offenbar so knapp wie moglich aus. Jensen folgte seinem Beispiel.

»In ein bis zwei Wochen. Okay?«

»Okay.«

Das war alles gewesen. Nachdem Patrick ihr Gesprach wiedergegeben hatte, fragte Cynthia ihn: »Bist du sicher, da? du dich auf deinen Instinkt verlassen kannst? Er wei?, was wir wollen?«

»Bestimmt. Einen Mann wie ihn engagiert man nicht fur belanglose Auftrage, das wei? er selbst am besten. Erzahl mir jetzt von diesen anderen Doppelmorden. Du hast von Eigentumlichkeiten gesprochen, nicht wahr?«

»Ja.« Eine Pause. »In Coconut Grove sind neben den Ermordeten vier tote Katzen zuruckgelassen worden.«

»Vier Katzen?« fragte Jensen unglaubig.

»Frag mich nicht nach dem Grund - der ist mir so ratselhaft wie allen anderen auch. Die Mordkommission grubelt noch immer daruber nach.«

»Du hast gesagt, in Fort Lauderdale habe es einen ahnlichen Fall gegeben. Wie steht's damit?«

»Dieser Fall ist komplizierter. Die Fu?e des Mannes sind verbrannt worden, aber niemand wei?, weshalb. Trotzdem sieht man auch darin eine symbolische Handlung eines moglicherweise geistesgestorten Killers.«

»Was schlagst du also vor?«

»Ich bin dafur, den ersten Mord zu kopieren. Sag deinem Mann, er soll am Tatort einen Tierkadaver zurucklassen.«

»Nicht vier Katzen, hoffe ich.«

Cynthia schuttelte den Kopf. »So genau wollen wir den Tater nicht nachahmen, und ein Tier ist genug - vielleicht ein Kaninchen. Das reicht als Symbol. Au?erdem gibt's weitere Eigentumlichkeiten.«

»Zum Beispiel?«

Sie beschrieb ihm, wie die Ehepaare Frost und Hennenfeld sich gefesselt und geknebelt gegenubergesessen hatten. »Und der Morder hat ein Bowiemesser benutzt. Du kennst diese Art Messer?«

Jensen nickte. »Ich habe mal eines in einem Buch beschrieben. Leicht zu beschaffen. Weiter!«

»An beiden Tatorten hat ein Radio sehr laut harte Rockmusik gespielt.«

»Kein Problem.« Jensen konzentrierte sich, um sich diese Einzelheiten zu merken, die er sich weder jetzt noch spater aufschreiben durfte.

»Alles vorhandene Geld mu? gestohlen werden«, fuhr Cynthia fort. »Mein Vater hat immer viel Geld in der

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