Kelgianerinnen zu sich heran.
„Das hier ist eine postoperative Genesungsstation fur Tralthaner“, verkundete er. „Sie drei werden sich hier taglich nach dem Unterricht melden, bis Sie andere Anweisungen erhalten. Schutzanzuge brauchen Sie nicht, die Luft konnen Sie atmen, und auf die geringfugigen tralthanischen Korperausdunstungen sollten Sie lieber erst gar nicht achten. Gehen Sie jetzt hinein, Sie werden bereits erwartet.“
Als sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt hatte, sah Cha Thrat, wie sich einige der Auszubildenden ohne Aufforderung von der Gruppe trennten, und schlo? daraus, da? sie schon langer zu der Klasse gehorten und bereits entsprechenden Stationen zugeteilt worden waren. Zu ihnen zahlte auch ihr hudlarischer Wegbahner. Kurz darauf war die Gruppe bis auf die DBLF und Cha Thrat selbst zusammengeschrumpft, und nun deutete Cresk-Sar auf die Kelgianerin. „Dies ist die innere Abteilung fur PVSJs“, klarte er sie auf. „Man wird Sie in der Schleusenvorkammer empfangen und Ihnen den Gebrauch des Schutzanzugs erklaren, bevor Sie da durchgehen konnen. Dann werden Sie.“
„Aber da sind doch Chloratmer drin!“ protestierte die Kelgianerin, wobei sich ihr Fell zu Stacheln aufrichtete. „Konnen Sie mir nicht eine Station geben, auf der ich wenigstens die Luft atmen kann? Oder versuchen Sie krampfhaft, es den Neulingen so schwer wie moglich zu machen? Was passiert, wenn ich mir aus Versehen den Anzug aufrei?e?“
„Ich werde Ihre Fragen der Reihe nach beantworten“, erwiderte der Chefarzt. „Erstens, nein. Zweitens, Sie haben es erraten. Drittens, die bereits vorhandenen Verletzungen der in der Nahe liegenden Patienten werden durch die mit Sauerstoff verseuchte Atmosphare noch mehr in Mitleidenschaft gezogen.“
„Und was ist mit mir, Sie Dummkopf?“
„Sie wurden eine Chlorvergiftung bekommen“, antwortete Cresk-Sar. „Und was die Oberschwester nach Ihrer Genesung mit Ihnen machen wurde, daran mochte ich lieber gar nicht erst denken.“
Sah man von dem zu einem Nagelbett aufgerichteten Fell ab, verschwand die Kelgianerin ohne einen weiteren Kommentar gehorsam in der Schleuse. Als Cha Thrat und Cresk-Sar daraufhin drei Ebenen nach unten gingen, wobei sie vollig uberfullte und scheinbar endlose Korridore durchquerten, mu?te sich die Sommaradvanerin so stark darauf konzentrieren, mit dem Chefarzt Schritt zu halten, da? sie keine Moglichkeit hatte, sich danach zu erkundigen, welche Aufgabe sie eigentlich erwarte. Doch schlie?lich blieb Cresk-Sar vor einem gewaltigen Schleuseneingang stehen, der in den gebrauchlichsten Sprachen der Galaktischen Foderation — zu denen naturlich nicht Sommaradvanisch gehorte — beschriftet war, und beantwortete ihre Frage von selbst.
„Das hier ist die AUGL-Station des Hospitals“, sagte er. „Sie werden feststellen, da? die Patienten, die allesamt Bewohner der Wasserwelt von Chalderescol II sind, zu den optisch furchteinflo?endsten Lebewesen gehoren, denen Sie wahrscheinlich jemals begegnen werden. Aber die AUGLs sind harmlos, solange Sie sich Ihnen nicht.“
„Das A als erster Buchstabe weist doch auf Wasseratmer hin“, unterbrach ihn Cha Thrat besorgt.
„Richtig“, bestatigte der Nidianer. „Stimmt irgend etwas nicht? Gibt es ein Problem, von dem mir O'Mara nichts erzahlt hat? Fuhlen Sie sich im Wasser unwohl, oder sind Sie wasserscheu?“
„Nein“, antwortete Cha Thrat. „Ich schwimme gerne — jedenfalls an der Oberflache. Das Problem ist, da? ich keine Schutzkleidung habe.“
Cresk-Sar bellte und erwiderte: „Das ist kein Problem. Sicher, die Herstellung komplizierterer Schutzkleidung fur Arbeiten unter hoher Schwerkraft, gro?em atmospharischen Druck und extremen Temperaturen benotigt zwar seine Zeit, aber ein simpler wasserdichter Anzug, der Ihren Konturen angepa?t ist und mit einem Kommunikations- und Luftversorgungssystem ausgerustet ist, stellt fur unsere technische Fertigungsabteilung kein Problem dar. Ihr Anzug wartet bereits drinnen auf Sie.“
Im Gegensatz zu den anderen begleitete der Chefarzt Cha Thrat. Wie er meinte, musse er das einwandfreie und reibungslose Funktionieren ihrer Ausrustung sicherstellen, da sie fur das Hospital eine neue Lebensform darstelle. Aber letztlich war es dann der Alien, von dem sie in der Schleusenvorkammer erwartet wurden, der sogleich die Sache in die Hand nahm und samtliche Erklarungen gab.
„Cha Thrat, ich bin Oberschwester Hredlichli, eine PVSJ“, begru?te das Wesen sie mit forscher Stimme. „Ihr Schutzanzug besteht aus zwei Teilen. In die untere Halfte steigen Sie am besten, indem Sie mit den starkeren Armen an Ihrer Taille in der Reihenfolge, die Ihnen am praktischsten erscheint, ein Bein nach dem anderen uberziehen. Streifen Sie sich mit denselben Armen den oberen Teil uber, wobei Sie zuerst den Kopf und die vier Arme an den Schultern hineinstecken. Die Arm- und Beinbunde werden ihnen zunachst sehr eng vorkommen, aber das soll einen knappen Sitz und ein Hochstma? an Feingefuhl in den Fingern garantieren. Schlie?en Sie die Verbindung der beiden Halften an der Hufte erst dann, wenn Sie sich vergewissert haben, da? die Luftversorgung funktioniert. Wenn Sie den Anzug luftdicht verschlossen haben, zeige ich Ihnen die verschiedenen Systemkontrollen, die bei jedem Ankleiden durchzufuhren sind. Danach werden Sie den Anzug ablegen und erneut anziehen, und zwar so lange, bis wir beide mit Ihrer Leistung zufrieden sind. Und jetzt fangen Sie bitte an.“
Bei den ersten drei Probedurchgangen ging Oberschwester Hredlichli im Kreis um Cha Thrat herum und gab ihr Ratschlage und Anleitungen. Danach unterhielt sie sich mit dem Chefarzt und beachtete Cha Thrat anscheinend nicht mehr. Allerdings wurde der stachelige, membranartige Korper der PVSJ von dem gelben Chlor im Schutzanzug vernebelt, so da? er eher wie eine wahllose Aufschichtung oliger, giftiger Pflanzen aussah. Zudem war es schon deshalb unmoglich zu sagen, worauf die Oberschwester ihre Aufmerksamkeit richtete, weil Cha Thrat nicht in der Lage war, ihre Augen zu entdecken.
„Im Moment leiden wir unter schwerem Personalmangel“, berichtete Hredlichli gerade, „da sich drei meiner besten Schwestern ausschlie?lich um ganz spezielle postoperative Genesungsfalle kummern mussen. Haben Sie eigentlich Hunger?“
Cha Thrat merkte, da? die Frage an sie gerichtet war, war sich aber nicht sicher, in welcher Form ihre Antwort erwartet wurde. Sollte sie nun die unterwurfige, selbstverleugnende Variante wahlen, die einem Herrscher gebuhrte, oder sich lieber fur die prazise, wahrheitsgema?e Auskunft entscheiden, die man einem Chirurgenkollegen fur Krieger schuldete? Da sie keine Ahnung von Hredlichlis genauer Stellung hatte, gab sie ihr Bestes, um die beiden Antwortarten zu kombinieren.
„Ich habe zwar Hunger“, antwortete sie schlie?lich, wobei sie gleichzeitig die Gelegenheit nutzte, ihren Anzugkommunikator zu testen, „aber dieser Zustand ist noch lange nicht so weit fortgeschritten, da? er mich bereits korperlich schwacht.“
„Na, prima“, reagierte Hredlichli erfreut. „Als Schwesternschulerin werden Sie ubrigens sehr schnell feststellen, da? praktisch alles und jeder Vorrang vor Ihnen hat. Sollte dieser Umstand zu einer emotionalen Anspannung bei Ihnen fuhren, die sich in verbalen Unmutsbekundungen oder Wutausbruchen au?ern konnte, bemuhen Sie sich bitte um Zuruckhaltung, bis Sie meine Station verlassen haben. Sie werden die Erlaubnis zu einem zeitlich streng begrenzten Besuch in der Kantine erhalten, sobald jemand von dort zuruckkommt, um Sie abzulosen. Und nun, glaube ich, wissen Sie auch, wie Ihr Anzug funktioniert.“
Cresk-Sar wandte sich dem Eingang zu. Er hob eine der kleinen, behaarten Hande und sagte zum Abschied: „Viel Gluck, Cha Thrat.“
„.also sollten wir erst mal in den Personalraum gehen“, fuhr Hredlichli fort, die den sich entfernenden Nidianer nicht zu beachten schien. „Uberprufen Sie noch einmal genau Ihre Anzugverschlusse, und dann folgen Sie mir.“
Kurz darauf befanden sie sich in einem uberraschend kleinen Raum mit einer durchsichtigen Wand, die den Blick in eine dammrige, grune Welt freigab, in der der optische Unterschied zwischen den Bewohnern und den zur Dekoration bestimmten Pflanzen, durch die sich diese Wesen wie zu Hause fuhlen sollten, unklar war. An den ubrigen drei Wanden des Raums standen und hingen Schranke, Bildschirme und Gerate, deren Verwendungszweck Cha Thrat nicht einmal erraten konnte. Die gesamte Decke war von geometrischen Formen und Zeichen in leuchtenden Farben bedeckt.
„Bezuglich ihrer Sicherheit fur Personal und Patienten genie?t unsere Station einen sehr guten Ruf im Orbit Hospital“, berichtete die Oberschwester nicht ohne Stolz. „Und ich mochte nicht, da? Sie den ruinieren. Sollten Sie dennoch Ihren Anzug beschadigen und in Gefahr sein zu ertrinken, mussen Sie, da die Mund-zu-Mund-Beatmung zwischen Sauerstoff- und Chloratmern nicht gerade ratsam ist, schnellstens zu einer der so gekennzeichneten Notluftkammern schwimmen“ — sie deutete auf eins der Symbole an der Decke —, „und dort auf Rettung warten. Aber der Unfall — oder sollte ich lieber ernsthafte Unannehmlichkeit sagen? — , den Sie unbedingt verhuten mussen, ist die Verschmutzung des Wassers durch die Exkremente der Patienten. Das Filtern oder Austauschen
