des Wassers ist namlich auf einer Station von dieser Gro?e ein au?erst umfangreiches Wartungsverfahren, das unsere Arbeit behindern und im ganzen Hospital zu abfalligem Gerede uber uns fuhren wurde.“

„Ich verstehe“, sagte Cha Thrat. Gleichzeitig fragte sie sich, warum sie blo? an dieses gra?liche Hospital gekommen war, und ob sie vor sich selbst ein sofortiges Ausscheiden aus dem Dienst rechtfertigen konnte. Trotz der Warnungen von O'Mara und Cresk-Sar, da? sie auf der untersten Stufe anfangen werde, war das hier keine Arbeit fur eine sommaradvanische Chirurgin fur Krieger. Falls auch nur ein einziges Wort uber das, was sie hier zu tun hatte, zu ihren fruheren Kollegen durchsickern wurde, ware sie fortan zu einem Leben als Einsiedlerin verdammt. Allerdings schienen diese Aliens kaum vorzuhaben, den Sommaradvanern etwas davon zu erzahlen, weil derartige Tatigkeiten fur sie so alltaglich waren, da? sie ihnen nicht einmal der Rede wert schienen. Vielleicht wurde man sie fur ungeeignet oder untauglich befinden und aus dem Hospital entlassen, so da? diese erniedrigende und unerfreuliche Episode ihres Lebens geheim und ihre Ehre unangetastet bliebe. Jedenfalls dachte sie schon mit Schrecken daran, was wohl als nachstes kommen wurde.

Doch es war nicht halb so schlimm, wie sie erwartet hatte.

„Normalerweise wissen die Patienten schon im voraus, wann sie defakieren mussen, und werden rechtzeitig die Schwester rufen“, fuhr Hredlichli fort. „Sollten sie zu diesem Zweck gerufen werden, befindet sich das benotigte Gerat in der Kammer, deren Tur so markiert ist.“ In ihrem Schutzanzug erschien ein farnwedelformiger Arm, der erst auf ein besonders gekennzeichnetes Feld an der Decke und dann auf das ferne, hell beleuchtete Gegenstuck deutete, das durch die grune Dammerung der Station hindurchschimmerte. „Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, die Patienten wissen alles uber die Bedienung des Gerats und werden sich lieber selbst helfen. Die meisten benutzen das Gerat jedoch nicht gerne, und Sie werden feststellen, da? sich die Chalder schnell

schamen. Deshalb zieht es jeder, der nicht ruhiggestellt ist, vor, den mit diesem Symbol gekennzeichneten Raum zu benutzen. Dabei handelt es sich um eine lange, schmale Kammer, die gerade gro? genug fur einen Chalder ist und vom Benutzer selbst bedient wird. Die Filtrierung und Befreiung des Wassers von den Exkrementen funktioniert automatisch, und falls irgend etwas schiefgeht, ist das ein Problem des Wartungspersonals.“

Hredlichli hob erneut die Gliedma?e hoch und deutete auf die nur schwer zu erkennenden Umrisse am anderen Ende der Station. „Falls Sie bei einem Patienten Hilfe brauchen, wenden Sie sich an Schwester Towan. Sie verbringt einen Gro?teil ihrer Zeit bei einem schwerkranken Patienten, lenken Sie sie also nicht unnotig von der Arbeit ab. Ich werde Sie heute noch uber den optimalen Puls, Blutdruck und die Korpertemperatur der Chalder informieren und wie und wo man sie mi?t. Diese Werte werden in regelma?igen Zeitabstanden ermittelt und aufgezeichnet, wobei die Dauer der Intervalle vom Zustand des jeweiligen Patienten abhangt. Au?erdem wird man Ihnen zeigen, wie Operationswunden sterilisiert und verbunden werden mussen — was bei einem Wasseratmer ubrigens keine einfache Aufgabe ist —, und in ein paar Tagen werden Sie das dann selbstandig machen durfen. Aber erst einmal mussen Sie Ihre Patienten uberhaupt kennenlernen.“

Die Gliedma?e deutete auf eine turlose Offnung zur Hauptstation. Alle zwolf Glieder Cha Thrats schienen von einer plotzlichen Lahmung befallen zu sein, und sie bemuhte sich verzweifelt, jede Bewegung durch Fragen hinauszuzogern.

„Zu welcher Spezies gehort denn Schwester Towan?“ erkundigte sie sich.

„Die ist eine AMSL“, antwortete die Oberschwester. „Ein fur das Orbit Hospital qualifizierter creppelianischer Oktopode, Sie brauchen sich also uberhaupt keine Sorgen zu machen. Die Patienten wissen, da? uns eine Schwesternschulerin von einer neuen Spezies zugeteilt worden ist, und erwarten Sie schon. Da Ihr Korperbau fur das Medium Wasser wie geschaffen ist, schlage ich vor, da? Sie einfach hineinschwimmen und mit der Arbeit beginnen, indem Sie sich selbst beibringen, wie man sich auf der Station bewegen mu?.“

„Entschuldigung, aber. aber eine weitere Frage hatte ich noch“, stammelte Cha Thrat verzweifelt. „Die AMSL ist eine Wasseratmerin. Warum sind denn hier nicht alle medizinischen Krafte Wasserarmer? Ware es nicht viel einfacher, wenn sich das Personal ausschlie?lich aus Chaldern zusammensetzen wurde, weil die Patienten es dann mit derselben Spezies zu tun hatten?“

„Sie sind noch nicht einmal einem Patienten begegnet und versuchen schon, die Station umzuorganisieren!“ wies Hredlichli sie zurecht, holte von irgendwoher eine zweite Gliedma?e hervor und fuchtelte mit beiden herum. „Es gibt zwei Grunde, warum wir es nicht so machen, wie Sie vorschlagen. Der eine ist, da? sehr gro?e Patienten au?erst wirkungsvoll von kleinen Arzten behandelt werden konnen, und das Orbit Hospital ist genau aus dieser Absicht heraus errichtet worden. Der zweite Grund ist architektonischer Natur. Der Platz fur die Unterbringung und Erholung des Personals steht hier hoch im Kurs, und konnen Sie sich vorstellen, wieviel Raum die Lebenserhaltungsbedurfnisse einer festen Arzte- und Schwesternbelegschaft von, sagen wir mal, einhundert wasseratmenden Chaldern beanspruchen wurden?

Aber genug davon“, beendete die Oberschwester ungeduldig ihre Ausfuhrungen. „Schwimmen Sie jetzt auf die Station, und verhalten Sie sich einfach so, als wu?ten Sie, was Sie tun. Wir unterhalten uns spater. Wenn ich nicht auf der Stelle zum Mittagessen gehe, wird man mich noch wegen Unterernahrung tot auf dem Korridor auffinden.“

Cha Thrat schien eine sehr lange Zeit zu vergehen, bevor sie fahig war, sich in die grune Unendlichkeit der Station zu wagen, und auch dann schwamm sie nur bis zu einem Pfeiler, der weniger als funf Korperlangen vom Eingang entfernt war. Die harten, eckigen Konturen des Metalls waren, wie Cha Thrat beim Schwimmen um den Pfeiler herum feststellte, durch unregelma?ige Farbflecke und das Anbringen kunstlichen Blattwerks optisch weicher gemacht worden, zweifellos, damit das Ambiente der Vegetation auf dem Heimatplaneten ahnelte.

Hredlichli hatte recht gehabt; auf die Bewegung im Wasser konnte sich Cha Thrat wirklich schnell einstellen. Als sie mit den Fu?en ausschlug und gleichzeitig die vier mittleren Arme nach unten druckte, schnellte sie vorwarts und trieb noch um drei Korperlangen weiter. Hielt sie einen oder zwei der mittleren Arme ruhig und winkelte die Hande an, war eine ziemlich genaue Richtungs- und Lagesteuerung moglich. Bisher war sie nie imstande gewesen, langer als ein paar kurze Augenblicke unter Wasser zu bleiben, und allmahlich geno? sie das Gefuhl. Sie umkreiste weiterhin den Pfeiler, wobei sie ihn uber die gesamte Lange von oben nach unten abschwamm und die kunstlichen Pflanzen noch genauer untersuchte. An ihnen befanden sich Trauben, die Unterwasserfruchte hatten sein konnen, bei Cha Thrats Naherkommen jedoch in vielfarbigem Licht erstrahlten und sich dadurch als Teil der Beleuchtungsanlage der Station entpuppten. Leider waren diese Entdeckerfreuden nur von kurzer Dauer.

Einer der langen, dunkelgrunen Schatten, die entlang des Bodens der Station die ganze Zeit reglos dagelegen hatten, hatte sich aus dem Pulk gelost und schnellte lautlos auf sie zu. Er wurde langsamer, nahm eine entsetzliche, riesengro?e dreidimensionale Form an und begann, Cha Thrat gemachlich zu umkreisen, so, wie sie es kurz zuvor noch mit dem Pfeiler getan hatte.

Das Wesen sah wie ein gewaltiger, gepanzerter Fisch mit einem kraftigen, messerscharfen Schwanz aus, der eine scheinbar planlose Anordnung von kurzen Flossen und einen breiten Ring streifenformiger Tentakel besa?, die aus den wenigen Offnungen seines organischen Panzers hervorragten. Beim Vorwartsschwimmen lagen die Tentakel flach an den Korperseiten an, aber sie waren so lang, da? sie uber die dicke, stumpfe Keilform des Kopfes hinausreichten. Ein kleines, lidloses Auge beobachtete Cha Thrat, wahrend das Wesen sie in immer engeren Kreisen umschwamm.

Plotzlich teilte sich der Kopf und entblo?te ein riesiges, rosafarbenes Maul mit etlichen Reihen gro?er, wei?er Zahne. Das Wesen trieb immer naher an Cha Thrat heran, so da? sie sogar das regelma?ige Truben des Wassers rings um die Kiemen sehen konnte. Dann offnete sich das Maul noch weiter.

„Hallo, Schwester“, begru?te sie der Alien schuchtern.

5. Kapitel

Cha Thrat fragte sich allen Ernstes, ob der Dienstplan der AUGL-Station von Oberschwester Hredlichli oder von einem unter einer schweren Betriebsstorung leidenden Computer, den das Wartungspersonal bei der letzten technischen Kontrolle ubersehen hatte, aufgestellt worden war. Sich danach zu erkundigen war ihr jedoch nicht moglich, es sei denn, ihr war daran gelegen, das Niveau der geistigen Fahigkeiten von irgendeinem Mitarbeiter in Frage zu stellen. Jedenfalls konnte die- oder derjenige nach ihrem Dafurhalten nicht ganz normal sein, ganz gleich, ob es sich dabei um ein namenloses Wesen vom Wartungsdienst, um Hredlichli oder um den Plan selbst handelte. Nach sechs Tagen und zweieinhalb Nachten, in denen sie wie ein uberarbeiteter Aal zwischen den riesengro?en

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