bleiben oder heimzukehren, wobei der Tag seiner Entlassung offengeblieben war, um seine naturliche Angst vor der Abreise zu verringern. Da er aber mit dem Leben im Krankenhaus nicht mehr ganz zufrieden war und der terrestrische Zauberer die Rehabilitierungsma?nahmen der Therapie vorsichtig angesprochen hatte, war die subjektive Wirklichkeit des Chalders bereits jetzt verandert worden.

Wie O'Mara weiter ausfuhrte, konne dem AUGL vom Monitorkorps jederzeit Material uber die seit seiner Abwesenheit eingetretenen Veranderungen auf seinem Heimatplaneten bereitgestellt werden. Sollte er sich zur Abreise entschlie?en, ware das fur ihn sehr nutzlich, falls er aber lieber bleiben wollte, immerhin informativ. O'Mara selbst und andere Wesen, die der Chalder selbst benennen konne, wurden ihm regelma?ige und haufige Besuche abstatten.

O ja, dachte Cha Thrat, wahrend O'Mara fortfuhr, dieser Terrestrier ist wirklich ein guter Zauberer.

Der Transporttrupp hatte mitsamt den Betaubungsgewehren langst den Personalraum verlassen; Cresk-Sar und Hredlichli mu?ten also zu dem Schlu? gelangt sein, da? die von AUGL-Eins-Sechzehn ausgehende Gefahr bereits gebannt war. Bei einem Blick auf den ruhig im Wasser schwebenden, schmerzfreien Patienten, der an O'Maras Lippen hing, mu?te Cha Thrat den beiden voll und ganz zustimmen.

„Uber eins sollten Sie sich jetzt im klaren sein: Wenn Sie aus dem Hospital entlassen werden wollen und mich davon uberzeugen konnen, da? Sie in der Lage sind, sich wieder in das Leben auf Ihrem Heimatplaneten einzufugen, werde ich Sie sowohl mit gro?em Vergnugen als auch mit au?erstem Bedauern hier hinauswerfen“, sagte der Terrestrier gerade. „Sie sind sehr lange Patient gewesen,und bei vielen dienstalteren Angehorigen des Personals hat sich das berufliche Interesse an Ihnen langst in ein personliches gewandelt. Aber das Beste, was ein Krankenhaus fur einen Freund tun kann, ist, ihn so schnell wie moglich zu entlassen, und zwar als geheilt.

Verstehen Sie das?“ wollte O'Mara wissen.

Zum erstenmal, seit der Terrestrier mit ihm zu sprechen begonnen hatte, wandte sich AUGL-Eins-Sechzehn wieder an Cha Thrat. „Ich glaube, ich fuhle mich jetzt schon sehr viel besser. Trotzdem bin ich verunsichert und kriege Angst, wenn ich daran denke, was auf mich alles zukommt. War das eben so eine Beschworung wie auf Sommaradva? Ich meine, ist O'Mara ein guter Zauberer?“

Cha Thrat bemuhte sich, ihre Begeisterung zu zugeln. „Das war der Anfang einer ganz hervorragenden Beschworung, und es hei?t bei uns, da? ein wirklich guter Zauberer die muhsame Arbeit seinem Patienten uberla?t.“

O'Mara stie? erneut einen seiner unubersetzbaren Laute aus und gab Hredlichli durch ein Zeichen zu verstehen, da? sich die Schwestern jetzt ohne Gefahr den anderen Patienten widmen konnten. Als O'Mara und Cha Thrat sich abwandten, um AUGL-Eins-Sechzehn zu verlassen, der wieder so freundlich und sanftmutig wie immer war, meldete sich dieser noch einmal zu Wort.

„O'Mara, Sie konnen mich ruhig mit meinem Namen anreden“, sagte er formlich.

Als sich O'Mara, Cresk-Sar und Cha Thrat wieder in der Luft der Schleusenvorkammer befanden und alle au?er Hredlichli das Visier geoffnet hatten, schimpfte die Oberschwester verargert: „Ich will diese. diese lastige Sitsachi nicht mehr langer in meiner Nahe haben! Ich wei?, da? es Eins-Sechzehn allmahlich bessergehen und er uns eines Tages verlassen wird, und daruber bin ich heilfroh. Aber sehen Sie sich doch mal die Station an! Alles kurz und klein geschlagen! Ich weigere mich, Cha Thrat noch mal auf die Station zu lassen, und dieser Entschlu? ist endgultig!“

O'Mara blickte die Chloratmerin einen Augenblick lang an und entgegnete dann im ruhigen, sachlichen Ton eines Herrschers: „Selbstverstandlich haben Sie das Recht, eine Auszubildende anzunehmen oder abzulehnen. Aber Cha Thrat wird volle Besuchsfreiheit erhalten, ob mit oder ohne meine Begleitung, wann immer und sooft der Patient oder ich selbst dies fur notig erachten. Mit einer besonders langwierigen Behandlung rechne ich allerdings nicht. Wir sind Ihnen fur Ihre Mitarbeit dankbar, Oberschwester, und jetzt mochten Sie bestimmt wieder an Ihre Arbeit gehen.“

Als sich Hredlichli murrisch entfernt hatte, sagte Cha Thrat: „Bis jetzt hatte sich keine Gelegenheit geboten, mit Ihnen zu sprechen, und ich bin mir nicht sicher, wie Sie meine Au?erungen aufnehmen werden. Jedenfalls wird auf Sommaradva von einem Zauberer oder hohen Herrscher gute Arbeit erwartet, und deshalb ist fur einen Hoherstehenden das Lob eines Untergebenen uberflussig und sogar beleidigend. Aber in diesem Fall.“

O'Mara bat mit erhobener Hand um Ruhe und entgegnete: „Nichts von dem, was Sie sagen, ob nun schmeichelhaft oder nicht, wird sich auf das auswirken, was auf Sie sowieso noch zukommt. Also sparen Sie sich lieber Ihre Worte.“ Grimmig fuhr er fort: „Sie stecken in ernsthaften Schwierigkeiten, Cha Thrat. Die Nachricht von dem, was hier geschehen ist, wird sich bald im ganzen Hospital verbreitet haben. Sie mussen verstehen, da? eine Oberschwester ihre Station als ihr Reich und die Schwestern als ihre Untertanen betrachtet. Unruhestifterinnen, zu denen auch Schwesternschulerinnen gehoren, die zu fruh zu viel Eigeninitiative an den Tag legen, werden in die Verbannung geschickt. Praktisch kann das bedeuten, entweder mussen Sie nach Hause oder an ein anderes Krankenhaus gehen. Ich ware uberrascht, wenn es hier auch nur noch eine einzige Oberschwester gibt, die Sie zur praktischen Ausbildung auf ihrer Station aufnimmt.“

Der Terrestrier hielt kurz inne, um Cha Thrat fur einen Moment Zeit zu geben, seine Worte zu verarbeiten, und fuhr dann fort: „Sie haben zwei Moglichkeiten: Fliegen Sie wieder nach Hause, oder nehmen Sie einen nichtmedizinischen Sklavenjob beim Wartungsdienst an.“

In verstandnisvollerem Ton, als er ihn je zuvor gegenuber Cha Thrat angeschlagen hatte, ergriff jetzt Cresk-Sar das Wort: „Sie sind eine au?erst flei?ige und vielversprechende Schwesternschulerin, Cha Thrat. Wenn Sie eine solche Stelle annehmen wurden, konnten Sie trotzdem noch Eins-Sechzehn besuchen und mit ihm sprechen, an meinem Unterricht teilnehmen und sich in Ihrer Freizeit das Programm auf den Schulungskanalen ansehen. Doch ohne praktische Stationserfahrung brauchen Sie sich keine Hoffnung zu machen, sich fur eine medizinische Tatigkeit am Orbit Hospital qualifizieren zu konnen.

Wenn Sie nicht aufgeben“, fuhr der Chefarzt fort, „kann es gut sein, da? Sie die Antwort auf die Frage, die Sie mir heute morgen im Freizeitbereich gestellt haben, selbst finden.“

Cha Thrat erinnerte sich sehr gut an die Frage und auch an die Belustigung, die sie unter den Freunden des Ausbilders hervorgerufen hatte. Sie erinnerte sich ebenfalls an den anfanglichen Schock und vor allem an das Gefuhl der Schande, als man ihr damals die Aufgaben einer Schwesternschulerin erklart hatte. Einer sommaradvanischen Chirurgin fur Krieger konnte man keine erniedrigendere Tatigkeit zumuten, hatte sie damals gedacht, was sich aber im nachhinein als Irrtum herausgestellt hatte.

„Ich kenne zwar die im Hospital geltenden Grundsatze immer noch nicht genau“, antwortete sie, „aber mir ist bewu?t, da? ich sie in irgendeiner Weise verletzt habe und deshalb die Konsequenzen tragen mu?. Fur den einfachen Weg werde ich mich jedenfalls nicht entscheiden.“

O'Mara murmelte seufzend: „Das ist allein Ihre Entscheidung, Cha Thrat.“

Bevor sie antworten konnte, mischte sich erneut der nidianische Chefarzt ein. „Wenn Cha Thrat in den Wartungsdienst gesteckt wird, ware das eine fast kriminelle Vergeudung ihrer Fahigkeiten“, protestierte Cresk- Sar. „Sie ist die vielversprechendste Schulerin der ganzen Klasse. Wenn wir warten wurden, bis Hredlichlis Aufschrei der Emporung verklungen ist oder sich das Gerede auf einen neuen Skandal konzentriert, konnte man vielleicht eine Station finden, die Cha Thrat zumindest probehalber aufnehmen wurde und.“

„Schlu? jetzt“, unterbrach ihn O'Mara, der sich zusehends erweichen lie?. „Ich halte eigentlich nichts davon, sich etwas zweimal zu uberlegen, weil der erste Gedanke gewohnlich der richtigere ist. Zunachst habe ich auch die Nase voll von Ihrer Schulerin gehabt, au?erdem bin ich mude und habe Hunger.

… es gibt solch eine Station“, fuhr er fort. „Die Lage der Geriatrie fur FROBs, die an chronischem Personalmangel leidet, ist moglicherweise verzweifelt genug, um Cha Thrat aufzunehmen. Das ist zwar keine Station, der ich unter normalen Umstanden eine Schwesternschulerin zuteilen wurde, die nicht zur Spezies der dort behandelten Patienten gehort, aber trotzdem werde ich bei der erstbesten Gelegenheit Diagnostiker Conway darauf ansprechen.

Und jetzt verschwinden Sie endlich“, schlo? er murrisch, „bevor ich Sie beide mit einem Zauberspruch ins Zentrum des nachsten wei?en Zwergs schleudere!“

Auf dem Weg zur Kantine sagte Cresk-Sar: „Das ist eine unangenehme Station, und die Arbeit ist, wenn uberhaupt, noch anstrengender als die Tatigkeit beim Wartungsdienst. Aber dafur konnen Sie diesen Patienten sagen, was Sie wollen, das macht da niemandem etwas aus. Was auch immer dort passiert, Probleme konnen Sie auf dieser Station jedenfalls nicht bekommen.“

Die Worte des Nidianers klangen zwar zuversichtlich und beruhigend, aber in seiner Stimme schwang ein zweifelnder Unterton mit.

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